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PreisträgerInnen Absolutely: Things - Lobreden auf Dinge

Der Literaturwettbewerb im Rahmen des Feldkircher Lyrikpreis 2015

Das Theater am Saumarkt, Literatur Vorarlberg (die Interessensvertretung der Vorarlberger AutorInnen) und die POTENTIALe haben gemeinsam nach "Lobreden auf Dinge" gesucht.

Sarah Schäfer / Das Pentagram
17 Jahre alt, Borg Schoren Dornbirn

Anna-Klara Kohlbacher / Knirps
16 Jahre alt wohnhaft in Dornbirn, besucht 7b des Borg Schoren

Carlos Kloser / Mein wertvolles Sakko
15 Jahre alt / besucht BG Bludenz, wohnhaft Bürs

Monika Slamanig / Plastikstuhl (Eames Plastic Armchair mit Rollen)
Schweizer Autorin, St. Gallen wohnhaft, Aktueller Roman: Monika Slamanig: Durstland, Edition Literatur Ostschweiz, 2015 erschienen

Die Einsendungen waren sehr vielfältig - namhafte AutorInnen, junge Leute, Schulklassen - und die unterschiedlichste Dinge wurden darin gelobt: Von der Ode an den Plastikstuhl bis zum Loblied auf den Knirps oder einer Hymne auf das "wertvolle Sakko" waren die Themen sehr breit gestreut und originell gewählt. Mancher Autorin und manchem Autor gelang eine derart sinnliche Beschreibung des Gegenstandes, dass Leserin und Leser sich vehement in den Bann des "Dings" gezogen fühlt. Gelobt wurden besondere Materialität, außergewöhnliche Formen und Funktionsweisen, alternative Gebrauchsmöglichkeiten. Aber es ging nicht nur um Funktionalität der Dinge, Gefühle, Lüste, Schönheit, manche Lobreden enthielten auch hymnische Beschreibungen inniger Beziehungen mit einzelnen Dingen. So haben wir uns das vorgestellt und freuen uns sehr darüber.

 

 

 

Laudatio für Anna-Klara Kohlbacher / Der Knirps Ganz anders der Knirps: ein Alltagsding, etwas, das man einsteckt und vergisst oder herausnimmt und sich ärgert, weil man das tun muss. Hier wird er ins Rampenlicht gerückt, von allen Seiten beleuchtet, der Alltag eines Knirps glaubwürdig gepriesen, als Schutzschild oder modisches Accessoire. Es ist an alle Eventualitäten gedacht, sogar an die Vorzüge des unscheinbaren Winzlings gegenüber der majestätischen Luxusversion, dem Schirm. Das nimmt den Leser ein für das Ding, das sonst in Selbstverständlichkeit versinkt.
Wir gratulieren Anna-Klara für ihre Lobrede!

Laudatio für Sarah Schäfer / Das Pentagramm Zunächst ein „Nein“! Ein Pentagramm? Soll das ein Ding sein? Eine arithmetische Figur , ein Zeichen in irgendwelchen geheimen Büchern, in der Literatur vielleicht? Mit Verve, Begeisterung und meist gelungenen Sätzen sind die Qualitäten  des Pentagramms vorgeführt und gepriesen. Schade um den Text! Doch dann die überraschende Wende - das Ding, zum Angreifen und Umhängen! Das hat überzeugt: Ein Pentagramm ist, was man unbedingt haben muss! Wir gratulieren Sarah zu ihrer Idee!

Laudation für Carlos Kloser / Mein wertvolles Sakko Die Aufmerksamkeit der Jury war stark auf Dinge gerichtet, die üblicherweise nicht im Belobigungskanon zeitgenössischer Medien, im Hype von angesagten Produkten enthalten ist. Selbstverständlich können Männersakkos modisch chick, elegant, kleidsam sein, aber es war nicht zu erwarten, dass ein junger Mann im Rahmen dieses Wettbewerbs sich eines / dieses Kleidungsstücks so begeisternd annimmt - ....

Schon der Anfang des Textes, die direkte Anrede, die charmante Höflichkeit, die vom Vergnügen spricht, uns zu begegnen, haben uns gleich für diese Lobrede eingenommen. Die verursachte Verwandlung "vom gewöhnlichen kleinen Mann" zum Gentleman wurde einfach bestechend begründet: Es geht darum, Blicke auf sich ziehen. Letzten Endes reicht das Spektrum möglicher Wirkungen des gelobten Gegenstandes von der Verführung bis zum gesellschaftlicher Aufstieg. Es wurde also an alles Relevante gedacht.

Carlos versteht es zudem, Spannung aufzubauen, erst gegen Ende nämlich offenbart er uns den Gegenstand der Lobrede. Und hebt an zur ultimativen Lobrede, nennt ihn ein Pracht- und Schmuckstück , ein Muster an Design, ein Meilenstein der Modegeschichte. Die Begeisterung springt über. Ich denke an Armani, an Richard Gere in einem Armani Sakko. So famos ... Herzlichen Glückwunsch!

Laudatio für Monika Slamanig / Plastikstuhl (Eames plastic armchair - mit Rollen!) „Was brauchst du?“ fragt Friederike Mayröcker in ihrem Gedicht und atnwortet einige Zeilen später: „…du brauchst ein Haus / keines für dich allein nur einen Winkel ein Dach / zu sitzen zu denken zu schlafen zu träumen …“.
Um aber zu sitzen, benötigen wir einen Stuhl, einen bequemen Stuhl, und wollen wir denken und träumen, schreiben und schweigen, kann dies nicht irgendein Stuhl sein. Dann muss der Plastikstuhl her, der mit seinen sanften Rundungen einlädt, sich hinein fallen zu lassen, der die Gedanken grell-lichtrot umgarnt und so enthebt aus der Normalität der Welt. Tief liegtsitzt man in diesem Stuhl, ist fast eingewoben in seiner hohlen Beuge, ja es besteht sogar die Gefahr, in dieser lustvollen Lustbarkeit des Stuhlgenusses regelrecht zu ersaufen. Der Stuhl wird zum Objekt der erotischen Begierde, das ganze Sehnen richtet sich auf ihn, den einzigen, der die Lust bis zum Übermaß steigern kann: Die Rollen versetzen sogar die schwergewichtigste Person in einen Schwebezustand, der Körper wirbelt, schwebt frei, ebenso das Denken. Sie benötigen nichts - einen roten Plastikstuhl benötigt jeder zum Leben.
Ich gratuliere Monika Slamanig zu ihrer flammenden Rede für den Plastikstuhl!